Jiyu waza

Jiyu waza mit Anfängern

Jiyu waza? Bei mir hat das nie richtig funktioniert. Aber ich habe auch nie die Gelegenheit gehabt, jiyu waza gründlich zu trainieren. Zwar gab es im Training – selten – mal die Ansage „ja, dann machen wir jetzt noch ein bisschen jiyu waza“. Aber auf diese Weise kann man eigentlich nur lernen, in Würde zu scheitern, sofern man nicht wirklich begabt ist.

Ich möchte das für meine Schüler nicht. Wenn wir schon eine Kampfkunst trainieren, dann sollen sie auch den freien Umgang mit den Techniken lernen dürfen. Langsam, in aller Ruhe, von Anfang an.

Im Lauf der Zeit habe ich unterschiedliche Ansätze für so ein jiyu-waza-Training mitbekommen. Aber für jene Methoden braucht man solides Grundwissen, das meine derzeitigen Schüler noch nicht haben. Also muss ich noch grundlegender anfangen. Inzwischen sind meine Schüler einigermaßen vertraut mit tai sabaki und der ura-Drehung. Als Angriffe haben sie katate dori, shomen uchi und mune tsuki kennengelernt; jemanden ohrfeigen (als Ersatz für yokomen uchi) muss kaum jemand lernen.

Nage öffnet nun ein beliebiges Angriffsziel für uke.
Uke sucht nach einer offenen Schwachstelle an nages Körper und greift in Zeitlupe an.
Nage hat die Aufgabe, dem Angriff im passenden Tempo auszuweichen mit sauberem tai sabaki und in sauberem hanmi zu landen.
Damit sind meine Schüler einigen wichtigen Fragen ausgesetzt:
– Ist nage wirklich nur dort angreifbar, wo er sich angreifbar glaubt?
– Fordert nage tatsächlich den beabsichtigten Angriff heraus?
– Lässt nage sich durch ukes Angriff oder seine eigene Nervosität verunsichern?
– Reagiert nage tatsächlich so, wie er es sich vorgenommen hat? Hatte nage sich überhaupt etwas überlegt?

Mit Erstaunen habe ich gesehen, wie sehr selbst Anfänger darauf fixiert waren, mit allen Mitteln zu einer Technik zu kommen. Irrtümer oder plötzlich hervorbrechende Bewegungsgewohnheiten führten dazu, dass sie dori fanden, die ich ihnen nicht gezeigt hatte: Gyakute dori wurde auf einmal immer und immer wieder von nage angeboten und von uke ohne zu zögern angenommen. Das passierte unbewusst, und kaum hatte uke das Handgelenk gegriffen, fragte nage aufgeregt: „Was mach‘ ich denn jetzt?“
„Irgendwas“ sage ich in diesen Fällen. Ich will sie ja gerade dazu zwingen, zu improvisieren. Und vertraue darauf, dass sie mit geschulter Improvisationsgabe ganz bestimmt auch Aikido-Techniken anwenden werden, wenn sie erst ein bisschen mehr Repertoire gelernt haben.

Erste Erfolge haben sich schon eingestellt: Aus einem wilden Gewurschtel formte sich „zufällig“ der Kern eines ikkyo.

Jiyu waza with beginners

Jiyu waza? That never really worked for me. Then again, I never had proper opportunity to soundly train jiyu waza. Rarely, during training, sensei or a sempai said „well, then let’s do some jiyu waza“. But this way, you only can learn how to fail and keep your dignity – if you’re not specially talented.

I don’t want this for my students. Since we train a martial art, I want them to learn to handle the techniques in a more spontaneous and less controlled way. Slowly, unhurriedly, and from scratch.

Over the years, I experienced different ideas about how to train jiyu waza. But for these methods, you’d need solid basic knowledge my students don’t have yet. So I have to start even more basic. Meanwhile, my students are familiar with tai sabaki and the ura-turning. They can do katate dori, shomen uchi and mune tsuki; they don’t have to train how to slap someone in the face (as a replacement for yokomen uchi).

Now, nage opens deliberately a target for uke to strike or grab.
Uke looks out for a weak spot at nage’s body and attacks in slow motion.
Nage’s task is to evade the attack in adequate tempo by proper tai sabaki and to end up in proper hanmi.
Thus, my deshi have to think about these points:
– Is nage only open to attacks where he thinks he is?
– Does nage really provoke the intended attack?
– Is nage confused by uke’s attack or his own nervousness?
– Does nage actually react the way he intended to; or rather: did nage intend anything at all, beforehand?

I was astonished when I saw, how much even beginners are focussed on applying a technique, no matter what. Mistakes or a sudden burst of moving habits lead them to “inventing” dori I had not shown them: Gyaktue dori popped up and was offered by nabe over and over again, and got accepted by uke. That happened unintendend, because as soon as uke had grabbed nage’s wrist, nage asked excited: “What would I do now?”
“Just something” I keep answering in these cases. I want to force them to improvise. And have confidence that, with improvisation trainig, they will apply techniques, as soon as they learned a bit more repertoire.

A first success could be logged: Out of a pellmell, “accidentally” the core of an ikkyo emerged.

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