Kategorische Frage:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Immanuel Kant)

Ist das Aikido mit „nicht zurückdreschen, sondern aufnehmen und weiterleiten“ nicht ziemlich dicht dran?

Advertisements

7 Gedanken zu „Kategorische Frage:“

  1. Hallo Christiane,

    nur auf Dein Blogpost bezogen; nicht auf Kommentare/Diskussionen: Wenn ich Dein Argument richtig verstehe, sagst Du dass Aikido mit dem kategorischen Imperativ übereinstimmt, weil die gewaltlose Reaktion auf Gewalt eine Maxime reflektiert, die allgemeines Gesetz werden solle.

    Nun könnten Andere das Gleiche von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ sagen und den kategorischen Imperativ in Kickboxen oder anderen Kampfsportarten finden. Das bedeutet, dass Du in Deiner Reflexion zu Aikido un dem kategorischen Imperativ vielleicht gar nichts spezifisches über Aikido gefunden hast, dafür aber sicher über Dein Verständnis von Ethik. Meines ist da übrigens ziemlich awase. Ich hoffe wir können bald mal wieder trainieren! 🙂

    Viele Grüße,
    Stefan

    Gefällt mir

    1. Hallo Stefan,

      nicht „Gesetz werden solle„, sondern eher „als Gesetz taugt“ – eben weil nützlich und nicht schädlich. Die Feststellung, dass etwas gut ist, ist an sich noch nicht verbunden mit einer Forderung.

      Ich meine auch weniger, dass das Aikido mit dem kategorischen Imperativ übereinstimme – sondern dass es uns deshi dazu bringt, im Sinne des kategorischen Imperatives zu handeln: Zum einen, weil wir dauernd überprüfen, was wir tun; zum anderen, weil wir damit unser Handeln auf vorgegebene Grundlagen ausrichten, die – so glaube ich – im Sinne des kategorischen Imperatives „gut“ sind.

      Mit dem Satz „dafür aber sicher über Dein Verständnis von Ethik“ hast Du’s bei mir klingeln lassen – ja, da ist was dran.

      Viele Grüße… vielleicht sehen wir uns schon am Wochenende? Es würde mich freuen!
      Christiane

      Gefällt mir

  2. Ich meine, das Aikido nachgibt durch Ausweichen und Umdrehen der gegen einen angewandten Kraft. Das geht solange weiter bis der Gegner ermüdet oder zur Einsicht gelangt ist. Es geht hier um kein Verbot beim Aikido, du reagierst nur immer weiter auf das was kommt. Anders, wenn du eine Erkenntnis hast, diese zu einem Gesetz erhebst und damit ein Ende signalisierst. Du legst dann fest und der Andere muß es akzeptieren. Sehr weit hergeholte Gedankenspiele.

    Gefällt mir

    1. Ich glaube, es liegt ein Missverständnis vor: Kant sagt nicht, dass man irgend etwas zu einem Gesetz erheben und es anderen aufdrücken soll. Er sagt vielmehr, dass man a) hinterfragen soll, woher das eigene Handeln stammt (also die dahinterstehende Maxime finden) und b) prüfen soll, ob sie zu einem allgemeingültigen Gesetz erhoben werden könnte – wobei er das „könnte“ daran bemisst, o es eher nützlich oder eher schädlich ist. Von Gesetzen und Verboten ist bei Kant keine Rede.

      Meiner Meinung nach trainieren wir den Grundsatz (also die Maxime) „nicht Gleiches mit Gleichem begegnen, sondern so sanft und empathisch wie möglich reagieren“. Dafür muss man sich ständig neu mit seinem uke (und im richtigen Leben mit seinem Gegenüber) auseinandersetzen. Hinter unserem Aikido-Handeln steht damit eine Maxime, die nach westlichem Verständnis gesellschaftlich wünschenswert sein könnte. Daraus entstand die Idee, mal in die Runde zu fragen: Sind wir mit dem, was wir da treiben, nicht ziemlich dicht dran an Kants kategorischem Imperativ?

      Gefällt mir

  3. Akido ist doch sanfte Bewegung in Reaktion auf einen Angriff. Dieses kann immer und immer weiter gehen. Aikido ist so, wie du es geschrieben hast und ich es verstehe, eine ständige Fortführung. Ein Gesetz will dieses immer und immer weiter gehen verhindern.

    Gefällt mir

    1. Hallo Stegemann,

      Deinen letzten Satz verstehe ich nicht – oder besser: Ich verstehe nicht den Zusammenhang zwischen „Gesetz“ und dem von Dir angenommenen „Verbot“, etwas ständig weiterzuführen. Kannst Du dazu noch ein bisschen was schreiben?

      Gefällt mir

    2. Hallo,

      ich habe die KpV (noch) nicht gelesen und meine Möglichkeit zu dieser Diskussion etwas beizutragen demnach sicher gering. Vielleicht am ehesten mit einer Frage: Was ist der Gesetzesbegriff im kategorischen Imperativ?

      So wie ich es lese, scheint Christianes Verständnis zu sein, dass „Gesetz“ hier „allgemeine Richtlinie für eigenes Handeln“ bedeutet, während Stegemann unter „Gesetz“ „spezifische Richtlinie für Aller (?) Handeln“ zu verstehen scheint. Unter allgemein und spezifisch verstehe ich hier den Detailgrad der Richtlinie; Beispiel: „weich dem Angriff aus“ im Gegensatz zu „beweg den Fuß 30 cm nach links.“

      Falls das der Unterschied ist, an dem Ihr Euch reibt und falls Ihr Spaß an philosophischen Texten habt, kann ich Euch Francois Julliens Texte zum Wirksamkeitsbegriff in der chinesischen und westlichen Philosophie sehr empfehlen.

      Viele Grüße,
      Stefan

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s